Einen Job in Argentinien finden

Ja, es mag kontrovers klingen in Argentinien einen Job zu suchen. Die Wirtschaft steht ständig vor dem Kollaps und die Inflation leistet ihr Übriges. Doch jeder hat seine eigene Motivation hierher zu kommen. Sei es der Freund/Freundin, Verwandtschaft oder einfach die Liebe zum ständigen Auf und Ab.

Übersicht

  • Praktika oder Job lassen sich nur schwer aus Deutschland organisieren
  • die Arbeitssuche gestaltet sich schwieriger als erwartet
  • der Lohn entspricht ungefähr ein Viertel vom gewohnten Lohn in Deutschland
  • Kontakte sind das Wichtigste, um an einen Job in Argentinien zu gelangen

Bewerbung aus Deutschland

Ein Jahr vor meinem Aufbruch nach Argentinien habe ich versucht mich direkt aus Deutschland für ein Praktikum in Argentinien und auch Chile zu bewerben. Leider ist das Konzept “Praktikum” in Südamerika nicht so weit verbreitet wie Deutschland. Dementsprechend wenige ausgeschriebene Stellen habe ich gefunden. Ich muss zugeben, dass ich vornehmlich bei größeren deutschen Firmen suchte. Worauf ich gestoßen bin waren Stellen bei der deutschen Außenhandelskammer (AHK) und bei der Goethe Schule. Die Stellenausschreibungen der Goethe Schule waren für mich nicht weiter interessant, sodass ich keine Aussage treffen kann. Zur AHK kann ich nur sagen, dass das Bewerbungsverfahren relativ hart ist und man im Monat einen 100€-Kantinengutschein als “Gehalt” bekommt. Bevor ihr euch bewerbt, googelt ihr besser nach Erfahrungsberichten.

Zum Schluss habe ich die Suche aufgegeben und mich entschlossen zunächst meine Masterarbeit zu schreiben. Dennoch wollte ich mich so leicht nicht geschlagen geben und bin nach meinem Abschluss einfach direkt nach Argentinien gereist.

Jobsuche in Argentinien

Relativ blauäugig bin ich in Argentinien angekommen und dachte mir in meiner “Naivität”: Ich bin doch ein deutscher Ingenieur, dass kann doch bestimmt nicht so lange dauern bis ich einen Job finde. Nach einem Monat Arbeitssuche sollte ich feststellen, dass es doch nicht so einfach werden würde, wenn man nicht gerade für einen Hungerlohn im nächsten Restaurant arbeiten möchte…

Erster Monat

Im ersten Monat habe ich mir eine Liste mit deutschen Unternehmen von der AHK Argentinien besorgt. An so ziemlich jedes Unternehmen auf dieser Liste habe ich eine Bewerbung geschickt. Von ca. 50 gesendeten Bewerbung habe ich 5 Rückmeldungen bekommen und allesamt Absagen. Weiter erfuhr ich, dass die meisten Unternehmen in Argentinien ein Arbeitsvisum voraussetzen. Ein Arbeitsvisum kann man aber nur bekommen, wenn man eine schriftliche Jobzusage von einem Unternehmen hat. Ein Job schien für mich also ins Unmögliche zu rücken.

Zweiter Monat

Im zweiten Monat habe ich dann meine Strategie geändert und habe internationalen Unternehmen ins Auge gefasst. Diese kennen die oben genannte Problematik und könnten eventuell über das fehlende Arbeitsvisum hinwegsehen. Auf diversen Jobportalen habe ich nach diesen Jobs Ausschau gehalten und mich gezielt beworben. Daneben nahm ich eine weitere Strategieänderung vor. Nach dem E-Mail Fiasko dachte ich, dass eine persönliche Vorstellung meine unbeschreiblich Motivation zum Ausdruck bringen würde. Ich fand das ziemlich mutig, die Personaler eher weniger, denn bis zur Personalabteilung wurde ich nicht einmal durchgelassen. Der Portier hat mich lediglich zur Abteilung durchgestellt und dort wurde mir dann eine E-Mail-Adresse genannt. Im Endeffekt war das Resultat meiner Strategien wieder gleich 0.

Dritter Monat

Ende des zweiten Monats habe ich meine Strategie erneut umgestellt. Ich habe möglichst viele verschiedene Jobmessen in Buenos Aires besucht. Weiter bin ich nur noch auf Veranstaltungen und Partys mit internationalem Publikum gegangen. Dort habe ich viele Bekanntschaften geknüpft und von einigen wurden mir Kontakte gegeben. Teilweise haben mich diese Bekanntschaften direkt auf eine Position vorgeschlagen. So wurde ich auch zu den ersten Vorstellungsgesprächen eingeladen.

Vierter und fünfter Monat

Im Laufe der Zeit habe ich bemerkt, dass ich immer wenn die Interviews auf Spanisch geführt wurden nicht genommen wurde. Bei meinem letzten Interview, welches ich schließlich auf Englisch geführt habe, wurde ich letztlich genommen. Meiner Erfahrung nach kann man in einer Fremdsprache einfach nicht sein gesamtes Können unter Beweis stellen. Im Englischen war das anders, da die meisten Argentinier ein deutlich schlechteres Englisch sprechen, als Europäer. Dadurch war meine Ausgangssituation von Anfang an besser.

Sechster Monat

Hurra!!! Nach 6 Monaten intensiver Suche hatte ich also einen relativ gut bezahlten Job bei einer Bank gefunden. Eine Freundin hatte mich für diese Stelle vorgeschlagen. Vielleicht noch eine wichtige Info, für alle die jetzt ganz euphorisch geworden sind, ein gut bezahlter Job bedeutet in Argentinien ein Job, bei dem man mehr als 800€ verdient. Leider ja.

Fazit: Das A&O sind Kontakte. Lernt so viele Leute wie möglich kennen und erwähnt beiläufig, dass ihr einen Job sucht. Mit Sicherheit kann ich euch sagen, dass ihr um einen guten Job kämpfen müsst. Für die Argentinier selbst ist es schwer an einen gut bezahlten Job zu kommen.

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